Im Folgenden haben wir versucht, eine möglichst genaue Übersicht der Gedenkaktionen zum 9. November, dem Tag der Pogrome von 1938, im Raum Aschaffenburg – Miltenberg zu geben. Dazu haben wir alle uns zur Verfügung stehenden Unterlagen ausgewertet. Dies umfasst Gedrucktes zur Jugendinitiative Miltenberg, der dortigen Initiative für Demokratie und Frieden oder dem Bündnis gegen Rechts Aschaffenburg-Miltenberg. Auch das Privatarchiv eines Künstlers, der an diversen Aktivitäten beteiligt war, stand uns zur Verfügung. Zudem wurden wir im Internet fündig. Wir denken, dass wir mit diesem Aufwand eine brauchbare Übersicht erstellen konnten.
Wir sind uns aber völlig sicher, dass diese Zusammenstellung dennoch unvollständig ist und ggf. auch Unrichtiges enthält, z.B. in Bezug auf die als Veranstalter genannten Gruppen. Es ergeht also an die Leser:innen dieser Zeilen die Aufforderung, uns (an kontakt@fundstuecke.info) Dokumente zu senden, die diese Zusammenfassung ergänzen oder berichtigen können.
Besten Dank!
Redaktion fundstuecke.info
Gedenk-Aktivitäten zum 9. November in der Region Aschaffenburg – Miltenberg
9.11.1980, Miltenberg: Filmnachmittag im Jugendtreff in der Alten Volksschule und Kranzniederlegung mit Ansprache am Alten Jüdischen Friedhof, Veranstalter: Antifa-Arbeitskreis der Jugendinitiative Miltenberg (JUI)
5.11.1988, Miltenberg: Informationsstand und
6.11.1988, Kleinheubach: Kranzniederlegung am Jüdischen Friedhof zum 50. Jahrestag des Pogroms von 1938, Veranstalterin: Initiativentreffen (Kulturinitiative PROJECT e.V. Kleinwallstadt, Türkischer Arbeiterverein Miltenberg e.V., Terre des Hommes Kreis Miltenberg, Die Grünen Kreisverband Miltenberg, Die Grünen Ortsverband Amorbach, Kultur- und Jugendinitiative Miltenberg e.V., Jusos Kreis Miltenberg, Jusos Schneeberg, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Kreis Miltenberg; daraus wird später des Antifaschistische Bündnis, AfaB)
begleitend dazu: thematische Schaufenstergestaltungen in den Buchhandlungen Dreiseitel (Miltenberg) und Buchkabinett (Obernburg)
9.11.1990, Aschaffenburg: Schweigemarsch „Gegen das Feiern – Gegen das Vergessen“, VA: Bündnis gegen Rechts Aschaffenburg – Miltenberg (BgR)
9.11.1991, Miltenberg: Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit, VA: Initiative für Demokratie und Frieden (IDeF, ehem. AfaB); ob die Demonstration bewusst in den Zusammenhang mit dem Gedenktag gestellt wurde, ist nicht ganz klar, allerdings zu vermuten.
9.11.1992, Aschaffenburg: Demonstration „Gemeinsam gegen Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus“ (1.500 Teilnehmende), VA: BgR (Am 28.11. gibt es eine weitere Demonstration mit 2.500 Beteiligten in Aschaffenburg anlässlich der Mordanschlags von Mölln.)
9.11.1992, Miltenberg: Kranzniederlegung am Alten Jüdischen Friedhof, VA: IDeF
9.11.1993, Kleinheubach: Veranstaltung am Gedenkstein für die jüdischen Opfer des NS-Regimes, VA: IDeF
9.11.1994, Aschaffenburg: Demonstration vom Alten Jüdischen Friedhof zum Wolfsthalplatz mit Kundgebung und Live-Musik, vorher Möglichkeit zum Besuch des Jüdischen Dokumentationszentrums, VA: BgR
9.11.1994, Miltenberg: Kranzniederlegung und Gedenkveranstaltung, VA: IDeF
9.11.1995, Aschaffenburg: Kundgebung am Wolfsthalplatz, VA: BgR
9.11.1995, Miltenberg: Gedenkveranstaltung „Die Toten mahnen die Lebenden“ am Alten Jüdischen Friedhof, anschließend wurde die nichtssagende Gedenktafel an das Kriegsende (am Brückenkopf) mit einer Holztafel überhängt, Text: „1945 – 1995 Wir danken den alliierten Soldaten, die vor 50 Jahren Miltenberg vom Nazi-Terror befreiten“, darüber ein über 10 Meter langes Spruchband: „9. November 1938: Die Opfer mahnen – Nie wieder Großdeutschland“, beides wurde (durch die Stadt) zügig entfernt. VA: IDeF
9.11.1996, Aschaffenburg: Kundgebung mit dem KZ-Überlebenden Alfred Jachmann, VA: BgR
9.11.1996, Klingenberg: Gedenkveranstaltung, VA: Grüne (Nachdem eine Gedenkveranstaltung der IDeF mit den Klingenberger Grünen wegen organisatorischer Mängel dieser Partei abgesagt werden musste, führten die Grünen diese dennoch durch; die Richtigstellung der IDeF auf die verzerrende Darstellung in der Presse blieb ungedruckt.)
9.11.1997, Aschaffenburg: Gedenkveranstaltung, VA: BgR
9.11.1997, Miltenberg: „Gegen das Vergessen!“, Gedenkveranstaltung am Alten Jüdischen Friedhof, VA: IDeF
1998, Veranstaltungsreihe im Raum Aschaffenburg – Miltenberg:
15. Oktober, Aschaffenburg, Evang. JUZ: Vortrag „Die Holocaust-Leugner und wie sie widerlegt werden können“
4. November, Aschaffenburg, Jüdisches Dokumentationszentrum: Gesprächsabend mit dem KZ-Überlebenden Alfred Jachmann
8. November, Aschaffenburg, Rathaus: Eröffnung der Ausstellung „Nichts mehr zu sagen und nichts zu beweisen“ (Jüdischer Friedhof Rödelsee)
9. November, Aschaffenburg, an der Sandkirche: Gedenkveranstaltung, Gedenkmarsch zum Wolfthalplatz, dort Kundgebung
9. November, Aschaffenburg, Evang. JUZ: Konzert mit der Klezmerband OJOJOJ
10. November, Miltenberg: „Den Opfern gedenken – an die Täter erinnern“, Kranzniederlegung, literarische Beiträge und Ansprache am Alten Jüdischen Friedhof
19. November, Miltenberg: Vortrag „Die Ordnung des Terrors – das KZ-System im 3. Reich“, VA: BgR / IDeF
10.11.1999, Aschaffenburg: „Erinnern ist nicht genug“, Lesung und Diskussion, VA: BgR / IDeF
9.11.2000, Miltenberg: Gedenkveranstaltung „Die Opfer mahnen – Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“, veranstaltet als Stadtführung zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung, VA: IDeF und JUI
Oktober bis 9.11.2001: Ausstellung „Auschwitz und ich“ im Rathaus Aschaffenburg, VA: BgR, KDA und afa (Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt der Ev. Kirche, Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen der Ev. Kirche)
9.11.2001, Aschaffenburg: Konzert mit Musik jüdischer Komponisten im Rathaus, VA: BgR und KDA
9.11.2011, Miltenberg: Gedenkveranstaltung mit Liedern Rezitationen und Vortrag im Caritas-Treffpunkt Café fArbe, Gang durch die Stadt zur ehem. Synagoge und Verlesung der Namen von jüdischen NS-Opfern aus Miltenberg, VA: Initiativkreis 9. November und Café fArbe
9.11.2012, Miltenberg: Gedenkveranstaltung im Caritas-Treffpunkt Café fArbe, VA: Initiativkreis 9. November und Café fArbe
9. – 21.11.2014, Miltenberg: Kunstaktion „Opfer des deutschen Wahns“, Schriftbilder (zweimal 200 x 70 cm) mit Malerei und den Namen jüdischer Opfer des NS-Regimes im Alten Jüdischen Friedhof, VA: die beteiligten Kunstschaffenden
12.11.2018, Miltenberg: Eröffnung der Kunst-Ausstellung (bis 21. Dezember) „gestern heute“ im Caritas-Treffpunkt Café fArbe, VA: Initiative für Kultur und Bildung 12M26 und Café fArbe
9.11.2019 Aschaffenburg: Laut Main Echo gedenken über 150 Teilnehmerinnen unter dem Motto „Nichts ist vergeben, nichts ist vergessen!“ „hinter der Sandkirche“ anschließend folgte ein Gedenkweg entlang von Stolpersteinen zum Wolfsthalplatz, VA: Attac Aschaffenburg-Miltenberg und das Bündnis gegen Rechts
9.11.2020 Aschaffenburg: Gedenken an das Novemberpogrom ´38, anschließend Gedenkweg mit Stationen an der Gedenktafel für die Opfer des Faschismus „hinter der Sandkirche“, dem Geburtshaus von Peter Gingold (Steingasse 27) und dem Platz der ehem. Synagoge (Wolfsthalplatz), VA: , die Interventionistische Linke, die Kommunale Initiative (KI), DIE LINKE Aschaffenburg und BUM
9.11.2021 Aschaffenburg: Mahnwache und Kundgebung unter dem Motto „Der Opfer gedenken – neue Nazis stoppen!“, Anschließend Weg über den Kurt-Eisner-Platz zur zentralen Gedenkfeier der Stadt am Wolfsthalplatz, VA: Attac, Bündnis gegen Rechts und VVN-BdA
10.11.2021 Aschaffenburg: KZ-Kind – Jude – Antifaschist, Vortrag und Diskussion mit Ernst Grube (Regensburg) im Stern e.V., VA: VVN-BdA, BGR, Attac Aschaffenburg-Miltenberg
9.11.2022 Aschaffenburg: Laut Bündnis gegen Rechts versammeln sich etwa 60 Menschen unter dem Motto „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ hinter der Sandkirche, am Geburtshaus von Peter Gingold wird eine provisorische Gedenktafel angebracht, VA: Bündnis gegen Rechts
Am selben Tag findet ab anschließend die Gedenkfeier am Wolfsthalplatz statt, VA: Stadt Aschaffenburg und der Förderkreis „Haus Wolfsthalplatz“.
Danach: „War der Aschaffenburger Rabbiner Raphael Breuer ein religiöser Extremist?“, eine Abendveranstaltung in der Stadthalle mit Prof. Dr. Matthias Morgenstern, VA: Stadt Aschaffenburg (VHS und Stadt- und Stiftsarchiv), Förderkreis „Haus Wolfsthalplatz“, Martinusforum e.V.
8.11.2023 Online-Veranstaltung „Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis“ mit Charlotte Wiedemann, VA: Martinushaus Aschaffenburg
9.11.2023 Aschaffenburg: Jüdisches Leben in der Stadt – Stolpersteine. Gesellschaft und Schicksale im 20. Jahrhundert, VA: VHS Aschaffenburg
„Hände weg vom Recht auf Asyl!“ Kundgebung und Mahnwache an der Gedenktafel „hinter der Sandkirche“, Anschließend Gedenkweg zur Veranstaltung am Wolfsthalplatz, VA: Bündnis gegen Rechts
Gedenkfeier am Wolfsthalplatz, VA: ua. die Stadt Aschaffenburg und der Förderkreis „Haus Wolfsthalplatz“
Abendveranstaltung im Schönborner Hof: Ausstellungseröffnung „Haus der Ewigkeit. Jüdische Friedhöfe im mitteleuropäischen Kulturraum“, VA: ???
11.11.2023, Miltenberg: „Vergangenheit, die nicht vergeht“, szenische Lesung in den Räumen des Jugendzentrums Miltenberg, VA: NovemberEnsemble und JUZ Miltenberg
12.11.2023 Aschaffenburg??? Ort der Ewigkeit – der jüdische Teil des Altstadtfriedhofs. Geschichte und Riten – mit Besuch des Tahara-Hauses, VA: ???
23.11.2023 Aschaffenburg: Jüdisches Leben in der Stadt – Stolpersteine. Gesellschaft und Schicksale im 20. Jahrhundert, VA: VHS Aschaffenburg
???.2023 Fotowalk und -ausstellung „Jüdische Friedhöfe in Aschaffenburg“, VA: VHS Aschaffenburg
9.11.2024 Aschaffenburg:
Verleihung des 10. Aschaffenburger Mutig-Preises 2024 im Stadttheater
„Ausgrenzung – Verfolgung – Deportation: Flucht ist kein Verbrechen“, Kundgebung und Mahnwache, VA: Bündnis gegen Rechts
Gedenkfeier am Wolfsthalplatz mit musikalischer Umrahmung, VA: die Stadt Aschaffenburg und der Förderkreis „Haus Wolfsthalplatz“
Jüdische Nachbarn: Rede mer mal Tacheles!“ mit Liedern aus dem jiddisch/jüdischen Kulturkreis, Jörgen Poth/Reinhard Frankl, Konzert im Künstlertreff Café Krem
2.11.2025 Aschaffenburg:
Vorführung des Films „Das Deutsche Volk“ im „Casino“, VA: Bündnis gegen Rechts
9.11.2025 Aschaffenburg:
Kundgebung und Mahnwache unter dem Motto „Es fing an mit Ausgrenzung“, VA: Bündnis gegen Rechts
Anschließender Gedenkweg zur städtischen Gedenkveranstaltung.
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