Was bringt es, rechte bzw. rechtsextreme Aktivitäten zu erfassen und darzustellen? Ist das nicht vielmehr die Aufgabe des Verfassungsschutzes? Sollten sich demokratische, gar radikaldemokratisch-linke Kräfte nicht hüten, den Spitzeldienst zu übernehmen? Gute Fragen. Aber es gibt dazu auch gute Antworten.
Das Auswerten öffentlicher Dokumente oder auch die Beschaffung interner Informationen (soweit dies überhaupt möglich ist) stellt noch lange keinen Spitzeldienst dar. Dies mit den Tätigkeiten von staatlichen Überwachungsstellen gleichzusetzen würde die Arbeit des Verfassungsschutzes und anderer Geheimdienste verharmlosen. Diese Stellen haben zudem ein ganz eigenes Interesse: Je nach Bedarf werden Bedrohungsszenarien aufgebaut oder es wird beschwichtigt. So wurde lange der sogenannte Linksextremismus als problematischer bewertet als die extreme Rechte. Inzwischen wird der „Ausländerextremismus“ so hoch gehängt, dass man meinen könnte, die Gefahr für Leib und Leben ginge in Deutschland nicht mehr von den Rechten aus. Aber: Hunderte von Todesopfern in der Bundesrepublik gehen zu Lasten der Rechten; hätten Migranten so viele Menschen ermordet, wären sämtliche Migrantenvereine längst verboten. Gegenüber dem Ausland und ebenso gegenüber der eigenen reaktionären Bevölkerung macht es sich aber besser, wenn nicht (deutsche) Neonazis, sondern (nichtdeutsche) Migranten zum Problem gemacht werden. Sogar eine unabhängige Auflistung der Tötungen durch Nazis ist notwendig, werden staatlicherseits doch viele rassistische Morde als „Streit unter Jugendlichen“ etc. abgetan; das Problem soll nicht so groß erscheinen, wie es nun einmal ist.
Für demokratische und linke Kräfte ist es aber sinnvoll, realistische Informationen zu haben über die extrem rechten Gruppen und Aktivitäten, geht doch von dieser Szene eine erhöhte Gefahr für alle aus, die nicht in das Weltbild der extremen Rechten passen. Jagd auf Schwule und Lesben, Migranten und Jüdinnen, Behinderte und Obdachlose, Demokraten und Sozialistinnen etc. sind an der Tagesordnung. Es bleibt also wichtig und antifaschistisch geboten, sich einen Eindruck der extremsten Spielart bürgerlich-kapitalistischer Politik zu machen, also Bescheid zu wissen über das, was sich (regional, vor der Haustüre) rechts außen tut. Darüber hinaus: Die Betrachtung der extremen Rechten ist auch immer die Sicht darauf, wie deren Ideen in der Mehrheitsgesellschaft angekommen sind, wie sie von sogenannten etablierten Parteien übernommen oder längst schon vertreten werden. Ein Blick auf Rechtsextreme ist also immer auch der Blick auf den Extremismus der Mitte.
Es ist also nicht verwunderlich, dass mindestens seit 1991 immer wieder Dokumentationen vorgelegt wurden, die das Wirken der extremen Rechten im Kreis Miltenberg oder in der Region Aschaffenburg-Miltenberg zum Inhalt hatten. Die Broschüre „Zum Beispiel: Region bayerischer Untermain“ war eine davon. Sie erschien im April 2004. Näheres dazu wird auf Seite 4 dieser Broschüre dargelegt. Die herausgebende Initiative für Demokratie und Frieden (IDeF) existiert längst nicht mehr. Eine Dokumentation über die IDeF ist bei fundstuecke.info zu finden.
Wir veröffentlichen die Broschüre „Zum Beispiel: Region bayerischer Untermain“, da wir sie als ein gelungenes Beispiel für Recherchearbeit ansehen; auch die 112 Quellenangaben als Fußnoten bei 22 Seiten (A4) Umfang sprechen dafür. Auch kommen die Analyse und die Kritik an der herrschenden Politik nicht zu kurz.
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